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Zum Migrationsbericht für Kiel 2008

Jeder vierte Kieler hat keine deutschen Wurzeln

Integrationsbericht

Kiel, Anfang Mai 2010 – Anfang Dezember 2009 gab es eine kleine Überraschung. Der Integrationsbericht 2008 lag endlich in gedruckter Form vor. Daß man dieses erwähnen muß, liegt nicht allein daran, daß das Amt für Familie und Soziales fast ein Jahr brauchte, diesen durchaus interessanten Bericht fertig zu stellen. Die Überraschung lag vor allem in den 23 unbedruckten Blättern, auf denen der Integrationsbericht gedruckt sein sollte. Ein Versehen von fast symbolhaftem Charakter in dieser unserer BRD.

Zahlen und Fakten:

Offiziell ist in Kiel die Zahl der hier lebenden Ausländer gesunken. Trotzdem stieg die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund. Selbst das Amt für Familie und Soziales bezeichnet die Zahl der Einbürgerungen in Kiel im Jahr 2008 als „relativ hoch“. So ließen sich 785 Menschen in dem Zeitraum einbürgern.

In Zahlen heißt dies, daß 58.752 Menschen, also 25,1 %, ausländische Wurzeln haben. Um es nochmals vor Augen zu führen, jeder vierte Kieler hat keine deutschen Wurzeln mehr! Die 49 Asylbewerber in Kiel sind bei den erschreckenden Zahlen eigentlich schon gar nicht mehr nennenswert.

Die größte Gruppe der in Kiel lebenden Ausländer stammen aus der Türkei, gefolgt von Menschen aus Polen , Irak und Russland.

Vinetaplatz

Der Vinetaplatz im sozialen Brennpunkt Gaarden-Ost

Wie zu vermuten war, leben die meisten Kieler Ausländer in Gaarden-Ost. Sie stellen dort 25,5 % der Bevölkerung. Damit leider nicht genug. Insgesamt beträgt damit die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund in Gaarden-Ost 39 %.

Ähnlich sieht es in Mettenhof aus. Dort haben 13,6 % der Bevölkerung einen ausländischen Paß. Insgesamt haben 35 % der Mettenhofer einen Migrationshintergrund. Nach diesen beiden Stadtteilen folgen Südfriedhof, die Wik und Neumühlen-Dietrichsdorf.

Schülerinnen und Schüler mit einem ausländischen Paß sind mit 9,3 % an den Grundschulen vertreten. An Gymnasien haben sie einen Anteil von 4,4 %, an Hauptschulen 20,9 % und an Förderzentren 21%. Da nur die Zahlen der Menschen mit ausländischen Paß vorliegen, kann man davon ausgehen, daß an den Kieler Schulen mehr als jeder vierte Schüler ausländische Wurzeln hat.

Mettenhof

Die Silhouette des Problemstadtteils Mettenhof

Die Kieler Kommunalpolitiker beschlossen auf der Ratsversammlung am 19. Februar 2009 ein Integrationsmonitoring zur Messung der Integrationserfolge, aber auch der Mißerfolge. Einzig der NPD-Ratsherr stimmte gegen das Monitoring.

Wer glaubt, daß es damit genug ist, irrt leider. In dem Integrationsbericht wird ebenfalls ein Maßnahmenkatalog dargestellt, der nochmals verdeutlicht, wie stark die Landeshauptstadt Kiel den Menschen mit Migrationshintergrund entgegenkommt. Dabei sollte doch die Eingliederung in erster eine Bringschuld der Migranten sein!

Im Integrationsbericht legen zuständige Ämter dar, was sie im Jahr 2008 für die Integration getan haben:

  • So berichtet das Amt für Wohnen und Grundsicherung zum Beispiel: In den Vertiefungsanalysen zum Wohnungsmarktkonzept für die Stadtteile Gaarden und Mettenhof, ..., wurde wert gelegt, daß gezielt auf die Wohnbedürfnisse von Menschen mit Migrationshintergrund eingegangen wird.

  • Das Amt für Kultur und Weiterbildung berichtete, daß die Abteilung „Volkshochschule 10“ einwöchige Sprachstandsfeststellungsmaßnahmen (34 Buchstaben = trägt dieses Wort zur Diskriminierung bei, wenn es ein Ausländer nicht aussprechen kann?) für etwa 120 Migrantinnen durchführte.

  • Die Abteilung Stadtbücherei berichtet wiederum, fremdsprachige Romane im Angebot zu haben.

  • Das Bürger- und Ordnungsamt berichtet, daß es Moscheevereine und Synagogen besucht habe.

  • Das Personal- und Organisationsamt teilt mit, daß Mitarbeiter an einer Fortbildung teilgenommen haben, welche sich mit verständlichem Deutsch beschäftigt, so daß Ausländer, wenn sie Fragen zu Formularen oder Gesetzen haben, sich an diese Mitarbeiter wenden können.

Aber nicht nur die Ämter der Stadt Kiel beschrieben ihre Erfahrungen, sondern auch der Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel. Von diesem Betrieb wurde bemängelt, daß die Migranten einfach nicht ihren Müll sortieren würden und deshalb die Restmülltonnen immer überfüllt seien. Natürlich trügen aber nicht die Ausländer dafür die Schuld, sondern sprachliche Barrieren?!?

Bei aller Ernsthaftigkeit dieses Themas löste die Kieler Verkehrsgesellschaft einen Lacher aus. In was für einer Stadt lebt man, in der die Verkehrsgesellschaft glaubt, darauf hinweisen zu müssen, daß sie ein offenes und tolerantes Unternehmen sei, welches ohne Einschränkungen Menschen unabhängig vom kulturellen Hintergrund in seinen Fahrzeugen befördere...

Hinweis:
Bereits im September 2009 hatten wir uns mit den „Problemstadtteilen“ befaßt

 
Siggi

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